ZMK Innsbruck

 

Diplomstudium Zahnmedizin

Curriculum / Lehrinhalte / Zahnm. Eingangstest / Termine / Nostrifikation


Universitätsklinik für Kieferorthopädie

Lehrinhalte:

Kieferorthopädische Schädeldiagnose: Gesichtsanalysen frontal. Gesichtsanalyse
im Profil, besonders nach A.M.Schwarz und Bass. Natürliche Schädelhaltung und
kieferorthopädisch genutzte Referenzebenen. Analysen des Gesichtsschädels
seitlich im Fernröntgen mit Winkelmessungen, metrisch und nach Strukturkenn-
zeichen besonders im Vorgehen nach Björk. Zahnärztliches Koordinatensystem.
Korrelation der einzelnen Analyseergebnisse und der kieferorthopädischen
Fachbegriffe. Dysgnathiebegriff skelettal und dentoalveolär. Dentoalveoläre
Kompensation skelettaler Dysgnathien.

Kieferorthopädisch relevante Grundzüge des Gesichtsschädelwachstums und
besonders des Alveolarfortsatzwachstums. Kieferorthopädisch relevante Parameter
der Gebissentwicklung für das Milchgebiss, das Wechselgebiss und das bleibende
Gebiss. Unterzahl und Überzahl von Zähnen. Abweichungen von der normalen
Zahnform. Zahngrößenrelationsanalyse nach Bolton und klinische Relevanz.
Zusammenhängen zwischen Bolton-Diskrepanzen und Verzahnungsmuster. Zahn-
entwicklungsstörungen. Zahndurchbruchsstörungen. Zahnärztliche Maßnahmen
bei Zahndurchbruchsstörungen.

Ätiologie der Dysgnathien: Einflüsse von Evolution, Genetik, pathologischem
Wachstum, erworbenen Fehlfunktionen. Diagnose kieferorthopädisch relevanter
Fehlfunktionen.

Kieferorthopädische Modelldiagnose: Kiefergelenkbezügliche Bisslagenbestimmung.
Modellherstellung. Eugnathes Gebiss. Fehlstellungen einzelner Zähne. Okklusions-
beurteilung in der Kieferorthopädie. Zusammenhänge zwischen Verzahnungsmuster
und Bisslage. Zahnbogenbeurteilung mit Analyse nach Pont-Korkhaus, Analyse
nach Moyers, Irregularitätsanalyse nach Little und Platzbilanzanalyse. Kieferortho-
pädische Dysgnathiehauptgruppen und Klassifikation nach Angle.

Ergänzende Befunde für die vollständige kieferorthopädische Diagnose.
Befundgestaltung.

Kieferorthopädische Therapie: Prinzipien der kieferorthopädischen Zahnbe-
wegungen. Mögliche Risken von kieferorthopädischen Zahnbewegungen. Rezidiv,
Gebissalterung und Retention in der Kieferorthopädie. Wirkungsprinzipien kiefer-
orthopädischer Geräte auf das Gesichtsskelett. Wesen und Indikation für die
Funktionskieferorthopädie. Indikation für kieferorthopädische Behandlungen;
Frühbehandlung, Normalbehandlung, Behandlungen gemeinsam mit anderen
Fachdisziplinen. Abnehmbare und festsitzende Behandlungsgeräte und ihre
Wirkungsweisen. Typischer Behandlungsablauf bei den einzelnen kieferortho-
pädischen Dysgnathien. Zahnextraktionen aus kieferorthopädischer Indikation.
Forensische Gesichtspunkte in der Kieferorthopädie. Zahnärztliche SOS-
Maßnahmen während kieferorthopädischer Behandlungen.

Anmerkung: Die Vorlesungen (VO) und Vorlesungen verbunden mit Übungen
(VU) aus Kieferorthopädie werden in beiden Semestern nach didaktischen
Gesichtspunkten in einander verwoben gestaltet. Da beide Lehrveranstaltungen
auch immanenten Prüfungscharakter besitzen, und auf die individuellen Beiträge,
Leistungen und Bedürfnisse der Studierenden und ihren Studienfortschritt
einzugehen ist, ist eine stunden- und datumsmäßige Zuordnung der Unterrichts-
einheiten nicht zweckmäßig.

Lernziele:

Die Studierenden sollen die Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen der Kiefer-
orthopädie als wesentliches Teilgebiet der Zahnmedizin kennen lernen und die
Befähigung erhalten, ihre kieferorthopädischen Kenntnisse während der
selbständigen Ausübung des zahnärztlichen Berufes nach den Regeln der
medizinischen Wissenschaft zu nutzen und ihre Patienten auch in kieferortho-
pädischen Belangen richtig zu beraten. Sie sollen die Kieferorthopädie als hoch
spezialisiertes Fachgebiet begreifen, das sich der Vorbeugung, der Erkennung
und der Behandlung von Zahnund Kieferfehlstellungen und Funktionsstörungen
im stomatognathen System widmet.

Die Studierenden sollen die kieferorthopädische Diagnose der Weichteilrelationen
und der knöchernen Strukturen des Gesichtsschädels erlernen. Dabei sollen sie
imstande sein, die unterschiedlichen diagnostischen Zugangswege mit ihren
jeweiligen Vorteilen, Nachteilen und in ihrer Aussagekraft hinsichtlich wissen-
schaftlicher oder praktischer Ziele zu verstehen. Sie sollen befähigt werden,
später neu hinzu kommende Analysen unschwer zu integrieren. Aus der Synthese
der Informationen soll ihnen eine klare Vorstellung vom kieferorthopädischen
Dysgnathiebegriff sowohl in skelettaler als auch dentoalveolärer Hinsicht ent-
stehen. Darauf aufbauend soll es ihnen gelingen, das grundsätzliche Therapie-
prinzip der dentoalveolären Kompensation zu verstehen.

Zahnärztinnen und Zahnärzte müssen eine fundierte Kenntnis des normalen
Wachstums des Gesichtsschädels und der normalen Entwicklung des Gebisses
besitzen, um bei Patienten im Kindes- und Jugendalter diesbezügliche
Störungen auch schon durch initiale Symptome zu entlarven. Insbesondere im
großen Bereich der Zahndurchbruchsstörungen sind die Zahnärztin und der
Zahnarzt, auch wenn sie nicht im Gebiet der Kieferorthopädie spezialisiert sind,
oftmals die ersten Ansprechpartner der Eltern und der Patienten.

Die Studierenden sollen durch die Kenntnis der Ätiologie der Dysgnathien
erkennen, in welchen Bereichen prophylaktische Maßnahmen greifen können
sowie wann und in welchem Umfang ein therapeutisches Vorgehen denkbar
oder nachdrücklich ratsam ist. Besonders bei den erworbenen oralen Fehl-
funktionen liegt ein großes Potential für die Prophylaxe ungünstiger
Gebissentwicklungen.

Die Studierenden sollen die selbständige und komplette kieferorthopädische
Modelldiagnose als Basis eines kieferorthopädischen Gebissbefundes erlernen.
Dabei sollen sie imstande sein, die unterschiedlichen diagnostischen
Zugangswege mit ihren jeweiligen Vorteilen, Nachteilen und in ihrer Aussage-
kraft hinsichtlich wissenschaftlicher oder praktischer Ziele zu verstehen.

Sie sollen fähig sein, die unterschiedlichen Fachbegriffe und den unter-
schiedlichen Sinngehalt gleicher oder ähnlicher Termini technici im deutsch-
sprachigen und angloamerikanischen Schrifttum problemlos zu vernetzen und
sich in jedem Lehrbuch oder bei jeder Fortbildungsveranstaltung zurecht zu
finden. Aus der Synthese der Informationen soll ihnen eine klare Vorstellung
vom Wesentlichen eines kieferorthopädischen Gebissbefundes vor Augen stehen.
Die Kenntnis der Diagnostik soll den Studierenden die Fähigkeit verleihen, die
schier unendliche Fülle der Dysgnathien den Dysgnathie-Hauptgruppen zuzu-
ordnen und eine Übersicht über jene Vielfalt von Befunden zu erlangen, die ihnen
während der selbständigen Ausübung des zahnärztlichen Berufes begegnen
können.

Die Studierenden sollen lernen, aus anderen Fachbereichen der Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde und aus der Humanmedizin Relevantes für die Kieferorthopädie zu
übernehmen und damit auch erkennen, dass die Kieferorthopädie in vielen Be-
reichen der gesamten Medizin wurzelt. Die Studierenden sollen imstande sein, eine
vollständige kieferorthopädische Diagnose nach den aktuellen Regeln der
medizinischen Wissenschaft zu erstellen. Weiterhin sollen sie zur prägnanten
Befundgestaltung befähigt werden, die während der selbständigen Ausübung des
zahnärztlichen Berufes besonders häufig erforderlich ist.

Die Studierenden sollen die grundsätzlichen therapeutischen Möglichkeiten in der
Kieferorthopädie kennen lernen, und zwar sowohl hinsichtlich der Funktions-
verbesserung und der morphologischen Optimierung als auch hinsichtlich der
Wirkungsweise und der technologischen Gegebenheiten der Behandlungsgeräte.
Hierzu gehört auch das Verständnis für die Biomechanik und die Verankerung in
der Kieferorthopädie, und ebenso für die Prinzipien der Einflussnahme auf das
Gesichtsschädelwachstum und die Prinzipien der kieferorthopädischen Zahn-
bewegung, aber auch für die Risken und Probleme, die dabei auftreten können.
Insbesondere die Rezidivfrage und die alterungsbedingten Veränderungen des
Gebisses besitzen einen großen Stellenwert, weil sie den ästhetischen Ansprüchen
der heutigen Patienten zuwider laufen. Auch zur prinzipiellen behandlungs-
strategischen kieferorthopädischen Frage, ob bleibende Zähne aus Platzgründen
geopfert werden sollen, sollen die Zahnärztinnen und Zahnärzte grundsätzlich
Bescheid wissen. Nicht zuletzt sind mit Zahnextraktionen forensische Gesichtspunkte
verknüpft.

Das Thema Frühbehandlung in der Kieferorthopädie ist für die Studierenden von
besonderer Bedeutung, da es vielfach die Zahnärztin und der Zahnarzt sind, die
bei Kindern den optimalen Beginn einer Zahnregulierung veranlassen oder sich
diesbezüglich eines Versäumnisses schuldig machen könnten.

Die Studierenden sollen die Behandlungsgeräte kennen lernen, die ihnen später
während der selbständigen Ausübung des zahnärztlichen Berufes begegnen
können, auch wenn sie selbst damit nicht behandeln. Ein Grund dafür ist, dass sie
jedem Patienten kompetente Hilfe anbieten sollten, der während seiner Behandlung
damit notfallmäßige Probleme hat.

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